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Die Südzucker-Gruppe

Mannheim, 18. Mai 2017 – Die Südzucker-Gruppe hat heute in Mannheim ihre Bilanzzahlen für das Geschäftsjahr 2016/17 vorgelegt.

Geschäftsjahr 2016/17

Brief an die Aktionäre

Mannheim, 24. April 2017
Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,
„Stark in die Zukunft" – auf diesen Weg haben wir die Südzucker-Gruppe gebracht und freuen uns, Ihnen einen positiven Abschluss des Geschäftsjahres 2016/17 präsentieren zu können: Der Umsatz ist erwartungsgemäß mit 6,5 (6,4) Mrd. € leicht höher als im Vorjahr, das operative Ergebnis konnte mit 426 (241) Mio. € deutlich zulegen.
An diesem Ergebnis wollen wir Sie, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, teilhaben lassen und werden gemeinsam mit dem Aufsichtsrat der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 0,45 (0,30) €/Aktie vorschlagen. Mit diesem Vorschlag setzen wir unsere nachhaltige Dividendenpolitik, die auch die langfristige Unternehmensentwicklung im Blick behält, fort.
In unserer Strategiediskussion haben wir herausgearbeitet, was Südzucker ausmacht. Mit den auf den vorangegangenen Seiten beschriebenen Eigenschaften „vielseitig", „kompetent" und „nachhaltig" haben wir Ihnen einen ersten Eindruck von der Basis des Unternehmens gegeben. Im weiteren Bericht stellen wir Ihnen eine große Bandbreite an Informationen über das abgelaufene Geschäftsjahr, über unsere Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit, aber auch über die künftige Entwicklung zur Verfügung.
Besonders im Segment Zucker haben wir uns viel vorgenommen. In den vergangenen Jahren hatten wir bereits mehrere Einschnitte durch veränderte Rahmenbedingungen zu verkraften. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr konnten wir bei einem Umsatz von 2.776 Mio. € wieder ein positives operatives Ergebnis von 72 Mio. € erzielen. Das Segment Zucker ist in einer Übergangsphase, entsprechend liegt das Ergebnis noch unter unseren langfristigen Erwartungen.
Nun werden Ende September 2017 nach fast 50 Jahren die europäischen Regelungen zu Rübenmindestpreisen und Produktionsquoten auslaufen. Der Wegfall der Produktionsquoten bietet die Chance, deutlich mehr Zucker zu produzieren und damit die Produktionskapazitäten zukünftig besser auszulasten. Wir werden damit unsere europäische Marktposition festigen und die neu eröffneten Exportmöglichkeiten gezielt nutzen.
Eine Ausweitung unserer Zuckerproduktion ist natürlich maßgeblich davon abhängig, dass die Fabriken ausreichend mit Rüben versorgt werden. Deshalb haben wir frühzeitig gemeinsam mit den Rübenanbauern ein neues, flexibles Rübenkontrahierungs- und –bezahlungssystem entwickelt, das die Risiken und Chancen, die sich aus der künftigen Entwicklung auf dem Zuckermarkt ergeben, auf beide Partner verteilt. Entscheidend wird jedoch sein, dass sowohl Rübenanbauer als auch die Südzucker-Gruppe in der Lage sind, auch in Phasen niedriger Zuckerpreise erfolgreich zu wirtschaften.
Deshalb spielen unsere Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Acker bis zum Kunden – eine bedeutende Rolle: Kostenführerschaft ist unser Ziel. Das Engagement unserer Mitarbeiter und die Bereitschaft der Rübenanbauer, diese Herausforderung gemeinsam mit uns zu meistern, setzen ein deutliches Signal.
Für die kommende Kampagne haben wir die benötigten Rüben kontrahiert. Dies ist umso wichtiger, da die Zuckerbestände zum Ende des aktuellen Zuckerwirtschaftsjahres 2016/17 sowohl bei Südzucker als auch in der gesamten EU auf ein Minimum sinken werden. Ein früher Kampagnebeginn und die starke Ausweitung der Produktion sollen einen reibungslosen Übergang gewährleisten.
Ein wichtiger Schritt auf den globalen Zuckermarkt ist der Aufbau der Verkaufsorganisation „Global Markets", mit der wir weltweit tätige Kunden aus einer Hand beliefern wollen. Mit unserer Niederlassung in Antwerpen als Teil von „Global Markets" sind wir darauf vorbereitet, die voraussichtlich ab Oktober 2017 um ein Vielfaches steigenden Exportmengen abzuwickeln. Im Zuge der Erschließung neuer Märkte wurde im vergangenen Jahr eine Verkaufsgesellschaft in Israel gegründet.
Insgesamt werden damit die Exporte außerhalb der EU wieder eine größere Rolle spielen, interessante Märkte sind unter anderem der Mittlere und Nahe Osten, Afrika und Südostasien. Die Vorbereitungen für die entsprechende Zuckerlogistik ab der Kampagne 2017/18 sind weit fortgeschritten. Langzeitverträge mit Lagerhaltern in Seehäfen und anderen externen Logistikpartnern sind abgeschlossen. Von den Zuckerfabriken können wir mit speziellen Bahnwaggons und Umschlag in Container bei unseren Logistikpartnern über den Seeweg praktisch jeden Markt der Welt beliefern.
Synergien im B2B-Bereich wollen wir mit der Einführung einer gemeinsamen Marke mit einheitlicher Kommunikation über alle Vertriebswege für die Produktgruppen Kristall-/Flüssigzucker sowie Spezialitäten nutzen.
Zusätzliche Vermarktungschancen für Weltmarktzucker verwirklichen wir mit unserer Beteiligung am britischen Handelshaus ED&F Man Holdings Limited. Diese seit 2012 bestehende Beteiligung haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr um 10 % auf rund 35 % erhöht.
Unterstützung für unser Zuckersegment erfahren wir durch das weltweite Bevölkerungswachstum und steigende Einkommen. Diese weiterhin stabilen Trends lassen den weltweiten Zuckerverbrauch jährlich um rund 2 % zunehmen – das entspricht immerhin rund 3 – 4 Mio. t zusätzlicher Zuckernachfrage im Jahr.
Neben diesen positiven Aspekten werden wir leider auch weiterhin von negativen Schlagzeilen über unser Produkt Zucker begleitet. Es wird der Eindruck vermittelt, dass Zucker für alle Fehlentwicklungen unserer modernen Gesellschaften – insbesondere aber für Übergewicht – verantwortlich ist. So wurde in einigen Ländern bereits eine Zuckersteuer eingeführt, um dem zunehmenden Übergewicht der Bevölkerung entgegenzuwirken. Es hat sich jedoch gezeigt, dass eine Zuckersteuer nicht schlank macht. Eine Gewichtszunahme bei gesunden Menschen ist einfach zu erklären: Es werden mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht. Ob diese Kalorien aus Fett, Eiweiß, Zucker oder anderen Kohlenhydraten stammen, spielt dabei keine Rolle. Deshalb werden auch die jüngsten Überlegungen, den Anteil von Zucker in Produkten zugunsten anderer Zutaten zu reduzieren, keinen Durchbruch bei der Bekämpfung von Übergewicht bringen. Denn meist weisen so reformulierte Produkte – entgegen der Annahme der Verbraucher – nicht wesentlich weniger Kalorien aus. Gegen diese Art der Verbrauchertäuschung wehren wir uns nachdrücklich.
Ein Produkt zu süßen und gleichzeitig die Anzahl der Kalorien zu reduzieren, ist eine Stärke von Isomalt, einem der zahlreichen, sehr unterschiedlichen Produkte des Segments Spezialitäten. Mit dieser Vielfalt – von funktionellen Inhaltsstoffen für Lebensmittel und Tiernahrung über Tiefkühl- sowie Kühlprodukte bis hin zu Portionsartikeln und Stärken für Food- und Non-Food-Anwendungen – beliefern wir unterschiedlichste Kunden und Märkte. Die verschiedenen Trends zu Lebensmitteln mit gesundheitsfördernden Eigenschaften, Clean Label, vegetarisch oder vegan, aber auch zu Convenience-Produkten sind ungebrochen, und so haben wir in allen Bereichen von einer positiven Absatzentwicklung profitiert.
Im Segment Spezialitäten konnte bei einem leichten Umsatzanstieg auf 1.819 Mio. € das operative Ergebnis trotz Wechselkursveränderungen und Belastungen aus der Inbetriebnahme der neuen Stärkefabrik in Zeitz auf 184 Mio. € gesteigert werden. Erfreulich ist, dass der Probebetrieb der Anlage in Zeitz abgeschlossen wurde und wir heute in der Lage sind, Kunden mit Glukosesirupen mit den geforderten Qualitäten zu beliefern.
Im Segment CropEnergies ist weiterhin vor allem die Entwicklung der Ethanolpreise der bestimmende Faktor: Noch zu Beginn des vergangenen Geschäftsjahres belasteten extrem niedrige Ethanolpreise das Geschäft. Die sich anschließend abzeichnende moderate Erholung haben wir genutzt und die Produktion von Bioethanol sowie von Lebens- und Futtermitteln mit der Wiederinbetriebnahme der Anlage in Wilton/Großbritannien deutlich gesteigert. Damit konnten wir Umsatz und Ergebnis des bereits sehr guten Vorjahres mit 726 Mio. € bzw. 98 Mio. € nochmals um mehr als 10 % übertreffen.
Während des zwischenzeitlichen Stillstands in Wilton wurden zahlreiche Maßnahmen zur Optimierung der Produktion und zur Reduzierung des spezifischen Energieverbrauchs umgesetzt. Damit sind auch die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Anlage künftig flexibel nach Markt- und Auftragslage zu nutzen, denn auch in Zukunft rechnen wir mit weiter stark schwankenden Preisen auf den Bioethanolmärkten.
Die Richtung, in die sich die politischen Diskussionen zum Thema Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen in Europa entwickeln, ist für uns nicht nachvollziehbar. So sehen wir den Vorschlag, die Nutzung von Kraftstoffen aus Ackerpflanzen von maximal 7 % im Jahr 2021 auf maximal 3,8 % im Jahr 2030 zu senken, obwohl unser Bioethanol inzwischen über 70 % der Emissionen im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen einspart, kritisch. Noch kritischer sehen wir den Wegfall des Ziels, im Transportsektor einen Anteil von 10 % aus erneuerbaren Energien zu erreichen.
Mit der Entwicklung im Segment Frucht können wir zufrieden sein: Beim Umsatz erreichten wir mit 1.155 Mio. € ein Plus von rund 7 %, beim Ergebnis mit 72 Mio. € sogar ein Plus von 16 %. Besonders erfreulich ist, dass wir die Marktposition in der Division Fruchtzubereitungen durch Marktanteilsgewinne verbessern konnten. Den eingeschlagenen Weg verfolgen wir konsequent weiter. Um unsere Marktpräsenz in dem Wachstumsmarkt Lateinamerika auszubauen, haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr die Firma Main Process S.A., einen Hersteller von Fruchtzubereitungen mit Sitz in Argentinien, erworben. Das breite Produktsortiment fügt sich ideal in das bestehende diversifizierte Produktportfolio ein. Darüber hinaus wurde von AGRANA Fruit eine Gesellschaft in Indien gegründet, die im Lauf des Geschäftsjahres 2017/18 die operative Tätigkeit aufnehmen soll. Zur Versorgung des amerikanischen Markts haben wir die Kapazität im Fruchtzubereitungswerk in Lysander/USA erhöht.
So weit ein Überblick über die wesentlichen Entwicklungen in unseren Segmenten. Kommen wir nun zu den Kapitalmarktmaßnahmen, mit denen wir das Wachstum der Südzucker-Gruppe finanziell flankieren: Im November 2016 haben wir eine Unternehmensanleihe über ein Nominalvolumen von 300 Mio. € mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Kupon von 1,25 % p. a. erfolgreich platziert. Neben der Finanzierung der Kampagne 2016/17 dient sie auch der frühzeitigen Refinanzierung der im März 2018 fälligen Anleihe aus dem Jahr 2011, die sich mit 4,125 % verzinst.
Im Februar 2017 haben wir den Streubesitzanteil der AGRANA durch eine Kapitalerhöhung um 1,4 Millionen neue AGRANA-Aktien und die gleichzeitige Platzierung von 0,5 Millionen AGRANA-Aktien aus dem Südzucker-Direktbestand von zuletzt nur 7 % auf knapp 19 % erhöht. Die Mittel in Höhe von 189 Mio. € aus Kapitalerhöhung und Platzierung stärken die Finanzierung des weiteren Wachstums.
In das neue Geschäftsjahr 2017/18 sind wir gut gestartet. Dies macht uns zuversichtlich, das geplante Wachstum des Umsatzes auf 6,7 bis 7,0 Mrd. € und des operativen Ergebnisses auf eine Bandbreite von 425 bis 500 Mio. € zu erreichen. Wie in der Vergangenheit mehrfach dargelegt, wird uns die Volatilität auf den Zucker- und Ethanolmärkten weiter begleiten.
Nur gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir stark in die Zukunft gehen. Sie sind vielseitig, kompetent, handeln nachhaltig – und tragen damit unseren Erfolg. Wir danken unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Engagement und die Leistungsbereitschaft im vergangenen Geschäftsjahr.
Sehr geehrte Damen und Herren, als Aktionäre erwarten Sie von Ihrem Unternehmen auch eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts. Wir wollen diesen Anspruch erfüllen und haben entsprechende Grundsätze in unserer Unternehmensstrategie und in unseren Leitlinien verankert. Im folgenden Bericht können Sie nachlesen, wie wir der ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen. Die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) sind für uns weiterhin der Rahmen für diese Berichterstattung.
Wir bedanken uns für Ihr Engagement und Ihre Verbundenheit. Südzucker geht stark in die Zukunft, begleiten Sie uns dabei!
Mit freundlichen Grüßen
Südzucker AG
Vorstand