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Die Südzucker-Gruppe

Mannheim, 17. Mai 2018 – Die Südzucker-Gruppe hat heute in Mannheim ihre Bilanzzahlen für das Geschäftsjahr 2017/18 vorgelegt.

Geschäftsjahr 2017/18

Brief an die Aktionäre

Mannheim, 23. April 2018
Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,
ein ereignisreiches Geschäftsjahr 2017/18 liegt hinter uns, ein mindestens ebensolches hat begonnen. Da sind zum einen die beinahe auf allen Kanälen – Zeitung, Fernsehen, Social Media - zur täglichen Routine gewordenen Angriffe auf unser Produkt Zucker. Zum anderen erleben wir seit Oktober 2017 ein völlig verändertes Marktumfeld im Segment Zucker mit dramatisch gesunkenen Zuckerpreisen. In den Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr lässt sich das auf den ersten Blick noch nicht erkennen: Der Konzernumsatz ist deutlich auf 7,0 (6,5) Mrd. € gestiegen, das operative Ergebnis liegt mit 445 (426) Mio. € ebenfalls über dem Vorjahr.
Dieses Ergebnis nehmen wir als Grundlage, um – gemeinsam mit dem Aufsichtsrat – der Hauptversammlung die Ausschüttung einer unveränderten Dividende von 0,45 €/Aktie vorzuschlagen. Damit setzen wir unsere nachhaltige und an der langfristigen Unternehmensentwicklung orientierte Dividendenpolitik fort.
Lassen Sie uns nun zum Segment Zucker kommen:
Wir haben uns in den letzten Jahren gut vorbereitet auf den – wie wir meinen historischen – Umbruch im Zuckermarkt in Europa. Seit 1. Oktober 2017 gibt es keine Regelungen zu Rübenmindestpreisen und Produktionsquoten mehr, sodass wir nun ein gutes halbes Jahr unter den neuen Rahmenbedingungen agieren.
Anstelle der Rübenmindestpreise ist nun ein flexibles Rübenkontrahierungs- und -bezahlungssystem getreten, das wir gemeinsam mit den Rübenanbauern entwickelt haben und das von Beginn an auf eine große Akzeptanz stieß. So wurde die Rübenanbaufläche für die Kampagne 2017 gruppenweit im Vergleich zum Vorjahr um 15 % erhöht – Voraussetzung für unser Ziel, die Zuckerfabriken besser auszulasten und damit die Fixkosten je Tonne Zucker zu senken. Dies haben wir mit durchschnittlich 133 (107) Kampagnetagen und einer Rekordzuckererzeugung aus Rüben von 5,7 (4,4) Mio. t mehr als erreicht.
Um diese gegenüber dem Vorjahr um nahezu 30 % gestiegene Zuckermenge vom Acker bis zum Kunden zu bewältigen, waren besondere Anstrengungen in der ganzen Kette vom Rübenanbau über die Bereiche Produktion und Verkauf bis hin zur Logistik nötig. Mit Stolz können wir sagen, dass sich die Leistungsfähigkeit unserer Rübenanbauer und Mitarbeiter wieder einmal auf beeindruckende Weise bestätigt hat.
Mit dem Ende der Produktionsquoten stehen uns wieder Exportmöglichkeiten offen, die es zu nutzen gilt. Als interessante Märkte haben wir hierfür unter anderem den Mittleren und Nahen Osten, Nord- und Westafrika, Osteuropa und Zentralasien identifiziert. Auch der Ferne Osten stellt immer eine Gelegenheit dar. Unsere für diese Märkte multinational aufgestellte Verkaufsorganisation Global Markets hat ihre erste Bewährungsprobe bestanden und die Exporte deutlich gesteigert. Zudem haben angemietete Silolagerkapazitäten in den europäischen Häfen, zusätzliche Läger für verpackte Ware sowie die Anmietung von speziell für Südzucker hergestellten Ganzzügen das Mengenmanagement ergänzt. Seit Mitte September 2017 bis Ende Januar 2018 sind in die verschiedenen Seehafenterminals in Frankreich, Belgien, Deutschland und Polen große Mengen loser Zucker per Bahn transportiert worden. Der Großteil der Menge kam hierbei aus belgischen und deutschen Zuckerfabriken.
Die in der zurückliegenden Kampagne gesammelten Erfahrungen helfen nun zur Vorbereitung für die nächste Kampagne, für die wir erfreulicherweise eine Rübenmenge auf dem Niveau von 2017 kontrahieren konnten. Ein weiteres Augenmerk liegt darauf, Transportkapazitäten für den erzeugten Zucker frühzeitig zu sichern und die Flexibilität bei der Beladung zu steigern.
Wie zu erwarten war, haben in Europa auch alle anderen Zuckererzeuger die Produktion ausgeweitet. Aber vor allem andere Regionen weltweit – allen voran Indien – konnten zumeist witterungsbedingt die Produktionsmengen erhöhen. So ist es auf dem Weltmarkt nach zwei Jahren Bestandsabbau wieder zu einem Bestandsaufbau an Zucker gekommen, da aktuell mehr Zucker produziert als verbraucht wird. Diese zusätzlichen Mengen wirken negativ auf das Preisniveau auf dem Weltmarkt und in Europa. Trotzdem sehen wir die neuen Rahmenbedingungen als Chance und vor allem als Möglichkeit, für unsere Kunden weltweit ein verlässlicher Partner zu sein. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Marktposition in Europa zu festigen.
In Zahlen ausgedrückt, haben wir den Umsatz im Segment Zucker auf 3.017 (2.776) Mio. € gesteigert und das operative Ergebnis auf 139 (72) Mio. € nahezu verdoppelt. Der angesprochene Verfall des Zuckerpreises wirkte sich erst ab Beginn der zweiten Geschäftsjahreshälfte 2017/18 aus und wird vor allem das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr stark belasten.
Unser Produkt Zucker ist in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile zu einem Sündenbock für nahezu alle gesundheitlichen Probleme geworden. Unsere Botschaft ist, dass Übergewicht oder Zivilisationskrankheiten nicht durch eine einzelne Lebensmittelzutat wie Zucker entstehen, sondern durch eine Ernährung, bei der mehr Kalorien zugeführt werden als der Körper verbraucht. Warum sich immer mehr Menschen in modernen Gesellschaften genau mit dieser Balance schwertun, hat eine Reihe von Ursachen. Deshalb müssen Ansätze, die darauf abzielen, eine einzelne Lebensmittelzutat für die Entstehung von Übergewicht verantwortlich zu machen, scheitern. Ampelkennzeichnungen, Zuckersteuern oder ähnliches bringen nicht den gewünschten Erfolg. Mit den weiter hinten in diesem Bericht eingefügten Karten widerlegen wir auf unterhaltsame Weise gängige Vorurteile rund um die Themen Zucker und Ernährung.
Die Entwicklung im Segment Spezialitäten war geprägt von den Akquisitionen der Freiberger-Gruppe. Zum einen kann Freiberger mit der Übernahme der HASA GmbH in Burg, Sachsen-Anhalt, im weiterhin wachsenden Markt für Steinofenpizzen eine stärkere Position in Europa einnehmen. Zum anderen ist mit dem Erwerb des US-amerikanischen Unternehmens Richelieu Foods Inc., dem dortigen Marktführer im Pizza-Eigenmarkengeschäft mit fünf Produktionsstandorten, der Einstieg in den US-amerikanischen Markt gelungen. Dort ist der Eigenmarkenanteil im Vergleich zu Europa noch sehr gering und bietet Wachstumschancen.
Höhere Rohstoffpreise in allen Divisionen des Segments haben erwartungsgemäß dazu geführt, dass das operative Ergebnis trotz eines höheren Umsatzes von 1.997 (1.819) Mio. € gegenüber dem starken Vorjahr auf 158 (184) Mio. € zurückgegangen ist.
Gestiegene Rohstoffpreise machten sich auch bei CropEnergies deutlich bemerkbar. In Verbindung mit sinkenden Ethanolpreisen in der zweiten Geschäftsjahreshälfte führten sie zu einem deutlich niedrigeren operativen Ergebnis von 72 (98) Mio. €. Erfreulich ist, dass alle Anlagen stabil gelaufen sind, die Produktions- und Absatzmengen gesteigert wurden und damit ein deutlich höherer Umsatz von 808 (726) Mio. € erzielt wurde.
Das Segment Frucht ist weiter gewachsen und expandierte erfolgreich in Indien und China. Gleichzeitig trägt die Strategie zu Gewinnung von weiteren Marktanteilen im wahrsten Sinne des Wortes Früchte. Insgesamt konnte so bei einem leicht höheren Umsatz von 1.161 (1.155) Mio. € ein operatives Ergebnis von 76 (72) Mio. € erzielt werden. Es hätte noch besser sein können, allerdings hat eine historisch schlechte Apfelernte in Europa mit entsprechend hohen Preisen dazu geführt, dass wir die Kapazitäten in den europäischen Fruchtsaftwerken bei weitem nicht auslasten konnten.
Sehr geehrte Damen und Herrn Aktionäre, lassen Sie uns nach dieser kurzen Rückschau einen Blick auf das jetzt laufenden Geschäftsjahr 2018/19 werfen.
Die Entwicklungen im Segment Zucker seit Oktober 2017 lassen bereits ahnen, dass das Geschäftsjahr 2018/19 für diesen Bereich ein schwieriges wird. Die Zuckererzeugung ist weltweit stärker gestiegen als der Verbrauch, der Euro-Dollar-Wechselkurs ist für uns sehr ungünstig und die Zuckerpreise auf dem Weltmarkt und in Europa kennen momentan nur eine Richtung: nach unten. In diesem Zuge ist der EU-Zuckerpreis zu Beginn des Kalenderjahres 2018 auf ein historisches Tief abgerutscht.
Wir sind jedoch der Auffassung, dass bei dem aktuellen Niveau der Weltmarktpreisnotierung viele Produzenten nicht profitabel sein können, so dass Mengen- und Preisanpassungen nur eine Frage der Zeit sind, zumal die globale Nachfrage nach Zucker jährlich wächst.
Auch wenn dieser dramatische Preisverfall nicht absehbar war, ist die grundsätzliche Entwicklung für uns nicht überraschend. So haben wir bereits seit 2013, als der EU-Beschluss über den Wegfall des EU-Zuckerquotensystems feststand, kommuniziert, dass uns ab Oktober 2017 eine Übergangsphase von mindestens zwei Jahren bevorsteht. Dementsprechend setzen wir unsere Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter fort.
Ein wichtiger Erfolgsbaustein für unseren Konzern sind die zukunftsträchtigen Investitionen in Kapazitätserweiterungen, Anlagenneubauten und Logistikprojekte. Zu nennen wären hier beispielsweise die Erweiterung der Bioethanolanlage in Zeitz, der Bau eines zweiten Fruchtzubereitungswerks in China und der Ausbau der Weizenstärkeanlage in Pischelsdorf.
Unsere Strategie der Diversifizierung wird sich auszahlen: In den Segmenten Spezialitäten und Frucht rechnen wir mit steigenden Ergebnissen, die zwar die Rückgänge bei Zucker und CropEnergies nicht ausgleichen, aber zumindest abmildern können. So wird sich das Konzernergebnis voraussichtlich zwischen 100 und 200 Mio. € bewegen - wie in den Vorjahren begleiten uns hier starke Schwankungen auf den Zucker- und Ethanolmärkten.
Der Kursverlauf der Südzucker-Aktie spiegelt diese Erwartungen und Prognosen wider. Der rückläufige Aktienkurs hatte auch Einfluss auf die Marktkapitalisierung und damit auf die Zugehörigkeit zum MDAX®. Auch wenn eine Indexzugehörigkeit keine unmittelbare Auswirkung auf unser operatives Geschäft hat, bedauern wir den Abstieg der Südzucker-Aktie aus dem MDAX® in den SDAX® im März dieses Jahres.
Wichtig bleibt, dass Südzucker weiterhin über eine hohe Reputation und einen guten Zugang zum Kapitalmarkt verfügt. Dies gilt sowohl auf der Eigenkapital- als auch auf der Fremdkapitalseite. Das Vertrauen des Kapitalmarkts in die künftige Unternehmensentwicklung sehen wir auch durch die erfolgreiche Platzierung einer 500-Mio.-€-Anleihe im Herbst 2017, für die wir nur 1 % Zinsen p. a. zahlen, bestätigt.
Um das Unternehmen durch diese schwierigen Zeiten zu steuern, brauchen wir mehr denn je engagierte und motivierte Mitarbeiter, die gemeinsam mit uns die Herausforderungen annehmen. Die im vergangenen Geschäftsjahr geleistete Arbeit wissen wir sehr zu schätzen und sprechen an dieser Stelle allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseren Dank aus.
Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, so wie wir in der bevorstehenden schwierigen Unternehmensphase auf unsere engagierten Mitarbeiter bauen, so vertrauen wir auch auf Ihre Loyalität. Für Ihre Verbundenheit bedanken wir uns.
Mit freundlichen Grüßen
Südzucker AG
Vorstand