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Mannheim, 15.10.2004

Quartalsbericht 1. Halbjahr 2004/05

Der vorliegende Zwischenbericht unterrichtet Sie über die Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 (März bis August 2004).

Mannheim, 15.10.2004

Quartalsbericht 1. Halbjahr 2004/05

Der vorliegende Zwischenbericht unterrichtet Sie über die Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 (März bis August 2004).
Überblick
Der Agrarministerrat hat im Juli über das Positionspapier der EU-Kommission hinsichtlich einer Reform der Zuckermarktordnung beraten. Das Konzept geht von Quotenkürzungen um 16 % und Senkungen des Interventionspreises für Zucker um 33 % aus. Weiterhin sind Rübenpreiskürzungen um etwa 43 % bei 60%iger Kompensation vorgesehen. Dieses Konzept halten wir für deutlich zu weit gehend. Der Rat konnte sich erwartungsgemäß kein einheitliches Urteil zu diesem Konzept bilden, da es nach einhelliger Meinung zur Einstellung des Rübenanbaus in vielen Regionen der EU - insbesondere in Süd-, Nord- und teilweise auch Osteuropa - führen würde. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die noch amtierende Kommission einen endgültigen legislativen Vorschlag zur Reform der Marktordnung vorlegen wird. Vielmehr wird allgemein erwartet, dass dies unter der Ägide der neuen Kommission etwa Mitte 2005 geschehen wird, zumal ein solcher Vorschlag aus unserer Sicht auch das Ergebnis des anhängigen Klageverfahrens (»Panel«) der großen Zuckerexportländer unter Führung von Brasilien vor der WTO berücksichtigen muss. Eine detaillierte und seriöse Prognose zum Ausgang des Verfahrens ist zur Zeit nicht möglich. Eindeutig hingegen ist der politische Wille der Kommission zur Erhaltung der Zuckererzeugung aus Rüben in Europa und zur Stärkung der ertragreichsten - und damit wettbewerbsfähigsten - Regionen innerhalb der EU. Um zu akzeptablen Wegen zur Durchführung einer Produktionsverlagerung und angemessenen Entschädigungen für eventuell ausscheidende Produzenten und Rübenanbauer zu finden, muss die Kommission ein insgesamt kohärentes Konzept entwickeln.
Somit erweist sich unsere schon immer verfolgte Strategie, ausschließlich in den ertragreichsten Regionen beheimatet zu sein, als richtig. In Abhängigkeit von weiteren materiellen Änderungen bzw. Konkretisierungen des Reformkonzepts wird Südzucker seine standortbedingten Wettbewerbsvorteile voll nutzen sowie weitere Maßnahmen zur Verteidigung der Profitabilität des Segments Zucker ergreifen. Im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres haben wir bis auf den bäuerlichen Anteilsbesitz (0,4 %) alle bei Raffinerie Tirlemontoise und Saint Louis Sucre noch bestandenen Minderheitenanteile aufgekauft. Dies wird sich auch nach Abzug der Finanzierungskosten deutlich steigernd auf unser Ergebnis je Aktie auswirken.
Mit der eingeleiteten Investitionsoffensive in die Bereiche Functional Food, Bioethanol sowie Fruchtsaftkonzentrate und Fruchtzubereitungen werden wir darüber hinaus das wachsende, von der Marktordnung unabhängige Segment Spezialitäten weiter ausbauen. Im Bereich Functional Food liegen wir bei den eingeleiteten Kapazitätserweiterungen für Palatinit und Orafti im Plan, was uns in die Lage versetzt, die weiterhin stark wachsende Nachfrage zu bedienen. Auch der Bau der Bioethanol-Fabrik in Zeitz schreitet planmäßig voran, so dass die Produktion im Frühjahr 2005 anlaufen kann.
Zur weiteren Stärkung des Bereichs Frucht wurde eine Vereinbarung zum Erwerb sämtlicher Vermögensgegenstände der Wink-Gruppe, Bingen, unterzeichnet. Wink ist mit einem Umsatz von rd. 36 Mio. EUR und 200 Mitarbeitern einer der großen Produzenten von Fruchtsaftkonzentraten in Europa und verfügt über vier Produktionsstätten, von denen zwei in Ungarn und jeweils eine in Polen und Rumänien liegen. Der Stammsitz mit Verwaltung und zentralem Logistikbereich befindet sich in Bingen. Nachdem im Bereich Fruchtzubereitungen für die Molkereiindustrie mit Atys und Steirerobst bereits die Position des Weltmarktführers erreicht wird, bedeutet dieser Erwerb die europäische Marktführerschaft bei Fruchtsaftkonzentraten. Der Kauf steht unter Kartellvorbehalt.
Atys wiederum, bei der wir im Rahmen des bestehenden Stufenerwerbsplans im nächsten Geschäftsjahr die Mehrheit der Stimmrechte übernehmen werden, hat zur Erweiterung des vorhandenen Know-hows und der Produktpalette die belgische Dirafrost S.A., einen Spezialanbieter im Fruchtbereich, erworben. Dirafrost erzielte in 2003 mit 320 Mitarbeitern einen Umsatz von 42 Mio. EUR. Es werden Produktionsstätten in Belgien, Serbien und Marokko betrieben.
Umsatzentwicklung
Der Konzernumsatz stieg im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2004/05 um 34 Mio. EUR, d. h. 1,5 %, auf 2.273 2.239) Mio. EUR.
Im Segment Zucker ging der Umsatz leicht auf 1.624 (1.655) Mio. EUR zurück. Hier wirkte sich im westeuropäischen Zuckergeschäft die geringe Ernte und damit eine geringere Zuckererzeugung aus. Somit stand weniger Zucker für den Export zur Verfügung und die entsprechenden Umsätze waren - insbesondere im 2. Quartal - gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Ein anderes Bild zeigte sich in unserem osteuropäischen Zuckerbereich, wo der zum 1. Mai 2004 erfolgte EU-Beitritt den erwarteten deutlichen Umsatzanstieg bewirkt hat. Der Umsatzrückgang im westeuropäischen Zuckerbereich konnte jedoch nicht ganz ausgeglichen werden, da sich der EU-Beitritt im 1. Halbjahr nur mit vier von sechs Monaten auswirkte.
Der ausgewiesene Umsatzanstieg unseres Segments Spezialitäten um 11,2 % auf 649 (584) Mio. EUR wurde durch zwei gegenläufige Sondereffekte beeinflusst: Zum einen war Freiberger aufgrund der dort vorgenommen Angleichung des Geschäftsjahres mit acht statt sechs Monaten in der Vorjahreszahl enthalten. Zum anderen haben die im laufenden Jahr erstmals vollkonsolidierte Gesellschaft Steirerobst im Fruchtbereich sowie die ebenfalls im Vergleichszeitraum noch nicht enthaltene Stateside im Pizzabereich den Umsatz positiv beeinflusst. Das Segment Spezialitäten erreichte auf vergleichbarer Basis wiederum ein knapp zweistelliges Umsatzwachstum.
Operatives Ergebnis
Das operative Ergebnis im Konzern konnte im 1. Halbjahr um 14,7 % auf 267 (232) Mio. EUR gesteigert werden; die operative Marge erhöhte sich auf 11,7 (10,4) %.
Im Segment Zucker ist der Ergebniszuwachs um 12,8 % auf 189 (168) Mio. EUR geprägt vom EU-Beitritt der osteuropäischen Zuckergesellschaften. In Westeuropa belasten die geringeren Exporte die Ergebnisentwicklung.
Die operative Ergebnisentwicklung im Segment Spezialitäten übertrifft mit einem Zuwachs um 19,7 % auf 78 (65) Mio. EUR den Umsatzanstieg. Die operative Marge konnte auf 12,0 (11,1) % gesteigert werden. Angeführt wird diese Entwicklung vom unvermindert stark wachsenden Functional Food-Bereich. Deutlich dazu beigetragen haben auch das Pizza- sowie das Stärkegeschäft.
Ausblick
Während die Ergebnissteigerung um 14,7 % im 1. Halbjahr klar unsere Planungen für beide Segmente erfüllt hat, wird das Segment Zucker im 2. Halbjahr von über Plan liegenden Kosten belastet sein: Wir konnten uns trotz unseres vorteilhaften und großenteils flexiblen Energiemixes aus Öl, Gas und Kohle nicht ganz dem heftigen Anstieg der Preise auf den Energiemärkten der letzten Wochen und Monate entziehen. Noch extremer entwickelte sich der Marktpreis für Koks, den wir für den Betrieb unserer Kalköfen brauchen. Hier kam es in der Spitze zu einer Verfünffachung der Preise gegenüber Vorjahr.
Im Segment Spezialitäten zeichnet sich eine Fortsetzung des Wachstumstrends bei Freiberger und insbesondere bei Functional Food ab. Zusammen mit den positiven Effekten aus den Vollkonsolidierungen von Steirerobst und Stateside rechnen wir mit einer weiteren deutlichen Steigerung von Umsatz und operativem Ergebnis. Dieser Trend wird sich im nächsten Geschäftsjahr durch unser Investitionsprogramm in die Bereiche Functional Food, Bioethanol sowie Frucht noch intensiver fortsetzen.
Auf Ebene des Südzucker-Konzerns erwarten wir für 2004/05 einen Umsatzanstieg von rd. 5 % sowie eine dazu überproportionale Steigerung des operativen Ergebnisses.