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Mannheim, 13.10.2005

Zwischenbericht 1. Halbjahr 2005/06 1.März bis 31. August 2005

Der vorliegende Zwischenbericht unterrichtet Sie über die Geschäftsentwicklung in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2005/06 (März bis August 2005).

Mannheim, 13.10.2005

Zwischenbericht 1. Halbjahr 2005/06 1.März bis 31. August 2005

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,
der vorliegende Zwischenbericht unterrichtet Sie über die Geschäftsentwicklung in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2005/06 (März bis August 2005).
Reform der EU-Zuckermarktordnung
Der von der EU-Kommission zur Neuordnung der gemeinsamen Marktordnung für Zucker am 22. Juni 2005 vorgelegte Reformvorschlag wird derzeit im Ministerrat und im Europaparlament diskutiert. Die EU-Kommission beabsichtigt, den Entwurf noch vor dem WTO-Ministertreffen in Hongkong im Dezember 2005 zu verabschieden. Ob dies tatsächlich geschehen wird, ist derzeit unklar.
Der Reformvorschlag soll zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Zuckerwirtschaft beitragen und gleichzeitig den effizienten Erzeugern eine nachhaltige Perspektive bis 2015 eröffnen. Kernpunkte sind eine schrittweise Senkung des Zuckerreferenzpreises um 39 % sowie des Rübenpreises um 43 % ab dem Zuckerwirtschaftsjahr 2006/07 , die Einrichtung eines Restrukturierungsfonds zum Aufkauf überschüssiger Quotenmengen sowie die teilweise Umwandlung von C-Zucker in Quotenzucker.
Südzucker unterstützt die grundsätzliche Ausrichtung des Reformvorschlags, da hierdurch einerseits effizienten Erzeugern ein langfristig verlässlicher Rahmen bis 2015 zur Verfügung gestellt wird und andererseits die unausweichlichen Konsequenzen aus dem verlorenen WTO-Panel vom Mai 2005 gezogen werden. Ergänzend hierzu sieht Südzucker allerdings eine konsequente Einbindung aller Importe in das Quotensystem der Zuckermarktordnung, einen ausreichenden Außenschutz sowie eine Verständigung mit der WTO auf neu definierte zulässige Exportmengen als notwendig an. Die im Reformentwurf vorgesehenen Preiskürzungen sehen wir als überzogen an. Eine geringere Preisreduzierung sowie eine Beteiligung der Anbauer am Restrukturierungsfonds käme darüber hinaus den Forderungen des EU-Parlamentes und den betroffenen Entwicklungsländern entgegen.
Südzucker wird aufgrund seiner Konzentration auf die beim Zuckerertrag leistungsfähigsten Regionen in Europa trotz der Preissenkungen die Ertragskraft des Zuckersegments verteidigen.
Im September 2005 hat die EU-Kommission für das Zuckerwirtschaftsjahr 2005/06 die lange geforderte Deklassierung in Höhe von 1,9 Mio. t Quote vorgenommen. Sie stellt mit 10,4 % der EU-Gesamtquote die bislang höchste Reduzierung der Quotenzuckererzeugung dar. Mit dieser Entscheidung wird die die im Vorjahr unterlassene Deklassierung korrigiert, was zu einer Entlastung der Inlandsmärkte führen wird. Wir gehen davon aus, dass sich hierdurch die Preissituation auf dem Binnenmarkt deutlich erholen wird.
Kapitalmaßnahmen
Der Berichtszeitraum war durch eine Reihe erfolgreich platzierter Kapitalmaßnahmen geprägt. Wir konnten sowohl mit der Kapitalerhöhung als auch mit der Emission der Hybrid-Bonds im Volumen von insgesamt 700 Mio. EUR unsere Kapitalbasis nachhaltig stärken. Der nachrangige Bond mit unbegrenzter Laufzeit - nur durch Südzucker nach 10 Jahren erstmals kündbar - ist dem Eigenkapital zuzurechnen. Der steuerlich abzugsfähige Kupon von 5,25 % reflektiert das derzeit günstige Zinsniveau, das wir uns damit langfristig sichern.
Die Eigenkapitalbasis des Konzerns wurde durch die Inanspruchnahme des auf der Hauptversammlung am 28. Juli 2005 genehmigten Kapitals weiter gestärkt. Anfang September 2005 haben wir 14,6 Millionen neue Aktien (Bezugsverhältnis von 12:1) ausgegeben. Bei einem Börsenkurs von etwas über 17,00 EUR/Aktie wurde der Bezugskurs auf 14,00 EUR/Aktie festgesetzt. Durch die vollständige Zeichnung der neuen Aktien flossen dem Konzern liquide Mittel von rund 200 Mio. EUR zu. Nach der Kapitalerhöhung erhöhte sich der Aktienkurs weiter auf über 19,00 EUR/Aktie per 6. Oktober 2005. Die überaus erfolgreiche Platzierung sowohl der neuen Aktien als auch des Hybrid-Eigenkapitals zeugt vom Vertrauen der Kapitalmärkte in die Strategie und die nachhaltigen Perspektiven des Südzucker-Konzerns.
Mit diesen Kapitalmaßnahmen hat Südzucker den Grundstein für die Fortsetzung des dynamischen, wertorientierten Wachstums gelegt. Die langfristig angelegte Wachstumsstrategie umfasst einerseits den zielgerichteten Ausbau des Segments Spezialitäten mit Investitionsschwerpunkten in den Bereichen Bioethanol, Frucht und Functional Food. Andererseits schafft der Konzern hiermit die nötige Basis, um die Wettbewerbsposition im Segment Zucker sowohl im Rahmen der Neuordnung des EU-Zuckermarktes als auch durch vorteilhafte Investitionsmöglichkeiten außerhalb der europäischen Union zu stärken.
Investitionen
Im Berichtszeitraum wurde die bereits im Geschäftsjahr 2003/04 begonnene Investitionsoffensive planmäßig fortgesetzt. Der Fokus lag dabei auf dem Segment Spezialitäten. So wurden im Juni 2005 die Anteile an der Atys-Gruppe, dem zentralen Baustein unserer Strategie im Fruchtbereich, um 6,5 % auf nunmehr 62,5 % aufgestockt. Bis zum Jahresende ist der vollständige Erwerb aller Anteile vereinbart. Zudem wurden neue Werke für Fruchtzubereitungen in Serpuchov bei Moskau (Russland) und Tennessee (USA) errichtet, um Kapazitäten entsprechend dem dynamischen Marktwachstum der Molkereiindustrie (Joghurt) in Russland und den USA zu schaffen.
Unser Functional Food-Bereich wurde durch den Ausbau des Palatinit-Werkes in Offstein deutlich gestärkt. Der Neubau des ORAFTI-Werkes in Chile verläuft planmäßig. Die erste Aussaat von Chicorée in Chile hat diesen Sommer bereits begonnen und die Inbetriebnahme des Werkes wird im Frühjahr 2006 erfolgen. Mit diesem weiteren Produktionsstandort wird die ORAFTI-Kapazität nahezu verdoppelt.
Im Mai 2005 wurde die Bioethanol-Anlage in Zeitz in Betrieb genommen. Die Produktion liegt aber aufgrund technischer Anlaufschwierigkeiten noch unter der Plankapazität von 260.000 m³ Bioethanol p. a. An der Beseitigung der Engpässe wird mit Hochdruck gearbeitet. Der europaweite Ausbau der Bioethanol-Sparte wird gleichwohl planmäßig vorangetrieben. So hat AGRANA mit der Errichtung einer Bioethanolanlage am Standort Pischelsdorf an der Donau begonnen. Die dortige Kapazität ist auf 200.000 m³ p. a. ausgelegt, der Produktionsbeginn ist für Mitte 2007 geplant. Das Marktpotenzial beurteilen wir weiterhin positiv. Die Direktbeimischung von Ethanol wird zunehmend diskutiert. Ausdruck dafür ist die nun verlautbarte Befürwortung einer Beimischung von 10 % Bioethanol zum Mineralöl durch den Verband der Automobilindustrie (VDA).
Umsatzentwicklung
Der Konzernumsatz stieg im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2005/06 - getragen von Zuwächsen bei Zucker und Spezialitäten - um 388 Mio. EUR, d. h. 17,1 % auf 2.661 (2.273)* Mio. EUR.
Im Segment Zucker konnte der Umsatz um 13,7 % bzw. 223 Mio. EUR auf 1.847 (1.624) Mio. EUR gesteigert werden. Infolge der guten Ernte des Vorjahres sowie der in 2004/05 nicht erfolgten Deklassierung wurden die Exporte von Quoten- und C-Zucker im Vergleich zum Vorjahr deutlich ausgeweitet.
Der Umsatz im Bereich Spezialitäten erhöhte sich vor allem aufgrund des planmäßigen Ausbaus der Fruchtsparte um 25,5 % bzw. 166 Mio. EUR auf 815 (649) Mio. EUR. Hier sind erstmals Erlöse der Atys- und Wink-Gruppe einbezogen; weiterhin waren im Vorjahr die Umsätze der Steirerobst-Gruppe nur mit drei Monaten enthalten.
Ergebnis der Betriebstätigkeit
Im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2005/06 konnte im Konzern ein Ergebnis der Betriebstätigkeit von 237 Mio. EUR und eine betriebliche Umsatzmarge von 8,9 % erwirtschaftet werden. In einem schwierigen Umfeld konnte das sehr gute Ergebnis der Betriebstätigkeit des Vorjahreszeitraums von 262 Mio. EUR nicht erreicht werden.
Im Segment Zucker lag das Ergebnis mit 183 (185) Mio. EUR annähernd auf Vorjahresniveau. Während die hohen Exporte infolge der großen Ernte 2004 sich weiterhin positiv auswirkten, überwogen im 2. Quartal die Belastungen aus der von der EU-Kommission 2004 unterlassenen Deklassierung.
Das Ergebnis der Betriebstätigkeit des Segments Spezialitäten verzeichnete einen Rückgang auf 54 (77) Mio. EUR. Die Ergebnisbelastungen sind insbesondere auf die Anlaufverluste der Bioethanolanlage in Zeitz zurückzuführen. Infolge technischer Schwierigkeiten fielen zum einen nicht vorhergesehene Aufwendungen im Rahmen der Inbetriebnahme an. Zum anderen konnte die Kapazität der Anlage bislang noch nicht im geplanten Umfang genutzt werden, während zeitgleich planmäßige Abschreibungen zu berücksichtigen waren. Der Bereich Functional Food blieb hinter dem Vorjahresergebnis zurück, das einmalig vom Absatzzuwachs der nun wieder abgeflauten »low-carb«-Welle in den USA begünstigt war. Beides zusammen konnte durch den Ausbau des Fruchtbereichs und eine erfreuliche Ergebnisentwicklung der Stärkeaktivitäten im Berichtszeitraum nicht ausgeglichen werden.
Ausblick
Für das Gesamtjahr 2005/06 gehen wir von einer Steigerung des Konzernumsatzes um knapp 9 % auf 5,2 Mrd. EUR aus.
Im Segment Zucker erwarten wir einen Umsatzrückgang durch ein deutliches Nachlassen der Quotenzuckerexporte im 2. Geschäftshalbjahr. Dieser Rückgang wird verursacht durch die von der Zuckerwirtschaft geforderte und von der Kommission nunmehr endlich vorgenommene Deklassierung. Dem gegenüber steht eine deutlich zweistellige Ausweitung der Umsatzerlöse des Segments Spezialitäten durch die im weiteren Geschäftsjahresverlauf voll wirkenden positiven Einflüsse aus der Erweiterung der Fruchtgruppe und dem Umsatzbeitrag des anlaufenden Bioethanolgeschäfts.
Wir gehen für das Geschäftsjahr 2005/06 davon aus, dass wir im Konzern das Ergebnis der Betriebstätigkeit des Vorjahres nicht wiederholen werden. Im Segment Zucker werden die negativen Auswirkungen aus der von der EU-Kommission im Vorjahr unterlassenen Deklassierung zunächst weiter das Ergebnis beeinträchtigen, bevor sich aufgrund der im September 2005 vorgenommenen deutlichen Deklassierung wieder eine Entspannung ergibt. Darüber hinaus belasten die zuletzt massiv gestiegenen Energiepreise die Erzeugung der neuen Kampagne. Insgesamt wird damit die Ergebnisentwicklung im Segment Zucker rückläufig sein. Im Segment Spezialitäten arbeiten wir daran, die Anlaufverluste der Bioethanolanlage zu begrenzen und bei Functional Food wieder zum Wachstum der Vorjahre aufzuschließen, damit - anders als im 1. Halbjahr - im 2. Halbjahr 2005/06 der Ergebniszuwachs aus der Erweiterung des Fruchtbereichs zum Tragen kommt.
Mit freundlichen Grüßen
SÜDZUCKER AKTIENGESELLSCHAFT
Mannheim/Ochsenfurt
Vorstand