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Mannheim, 14.01.2005

Zwischenbericht 1. - 3. Quartal, 1. März bis 30 November 2004

Der vorliegende Zwischenbericht unterrichtet Sie über die Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 (März bis November 2004).

Mannheim, 14.01.2005

Zwischenbericht 1. - 3. Quartal, 1. März bis 30 November 2004

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,
der vorliegende Zwischenbericht unterrichtet Sie über die Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 (März bis November 2004).
Überblick
Die Reform der Zuckermarktordnung (ZMO) wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Die Erörterung im Rat der Agrarminister hat deutlich gemacht, dass die EU-Kommission für ihren im Juli 2004 an den Rat geleiteten Vorschlag keine Mehrheit finden wird. Zehn EU-Mitglieder aus den Ländern Süd-, Nord- und Osteuropas, deren Zuckerwirtschaft durch die Reform bedroht ist, haben der seit 23. November 2004 amtierenden neuen Agrarkommissarin Frau Fischer Boel ihre Ablehnung mitgeteilt.
In der laufenden Doha-Runde werden derzeit die konkreten Modalitäten für die Reform der Agrarwirtschaft verhandelt. Zielsetzung ist eine Einigung vor dem nächsten WTO-Gipfel im Dezember 2005 in Hongkong.
Im Oktober 2004 wurde das Ergebnis des WTO-Panels gegen die Zuckerpolitik der EU veröffentlicht. Danach ergäben sich weit reichende Konsequenzen für die EU-Zuckerproduktion. Die EU hat angekündigt, gegen das Urteil Berufung einzulegen.
In Deutschland haben die Arbeitsgemeinschaft deutscher Rübenanbauerverbände (ADR), der Deutsche Bauernverband (DBV), die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) im engen Schulterschluss die Initiative »existenzfrage-zucker« ins Leben gerufen, um auf die Gefahren einer überzogenen Reform der Zuckermarktordnung für den Zuckerstandort Deutschland hinzuweisen.
Wir erkennen grundsätzlich an, dass die Diskussion um eine Reform der ZMO notwendig ist. Die Kommissionsvorschläge und die politische Diskussion der letzten Monate haben gezeigt, dass in der EU der politische Wille besteht, die Wettbewerbsfähigkeit der Rübenzuckererzeugung zu stärken und den effizienten Erzeugern eine nachhaltige Perspektive zu bieten. Dies ist eine Bestätigung unserer Konzentration auf die besten Rübenanbaugebiete. Wir fordern die EU-Kommission allerdings auch auf, ihre legislativen Vorschläge so zu gestalten und in den internationalen Verhandlungen zu vertreten, dass die erklärten Ziele auch erreicht werden.
Die EU-Kommission hat angekündigt, diese Vorschläge im Sommer 2005, wenn das Berufungsergebnis aus dem Zuckerpanel bekannt ist, vorlegen zu wollen.
Zuckererzeugung 2004
Nach guten Wachstumsbedingungen mit ausreichend Niederschlägen konnten von den Rübenanbauern der Südzucker-Gruppe 31,0 Mio. t Rüben geerntet werden; verglichen mit 26,7 Mio. t im Vorjahr entspricht dies einer Mehrerzeugung von 16,1 %. In einer effizient abgelaufenen Kampagne stieg die Zuckererzeugung aus Rüben auf 4,8 (4,2) *) Mio. t. Der Energieverbrauch je Tonne Zuckererzeugung konnte wieder reduziert werden. Unter Berücksichtigung der Raffination von Rohrzucker in den Werken Marseille, Frankreich, und Buzau, Rumänien, beträgt die Gesamterzeugung der Südzucker-Gruppe 5,1 (4,4) Mio. t Zucker. Die osteuropäischen Tochtergesellschaften trugen hierzu einen Anteil von 21,5 % bei.
Die Verarbeitungskapazitäten konnten bei einer durchschnittlichen Kampagnedauer von 91 Tagen gegenüber 75 Tagen im Vorjahr länger genutzt werden; gleichzeitig wurde die Zahl der Fabriken von 52 in der Kampagne 2003 auf 45 vermindert. Damit hat Südzucker in der abgelaufenen Kampagne bewiesen, dass die Strategie, in den ertragreichsten Rübenanbaugebieten Europas zu produzieren, richtig ist. Im Zuge der anstehenden Reformen wird Südzucker die standortbedingten Wettbewerbsvorteile nutzen und weitere Maßnahmen zur Verteidigung der Profitabilität des Segments Zucker ergreifen.
Investitionen in Functional Food, Bioethanol und Frucht
Mit den eingeleiteten Investitionen in die Bereiche Functional Food, Bioethanol sowie Fruchtzubereitungen/Fruchtsaftkonzentrate werden wir darüber hinaus das wachsende Segment Spezialitäten ausbauen. Im Bereich Functional Food liegen wir bei den vorgenommenen Kapazitätserweiterungen für Palatinit am Standort Offstein und dem Neubau einer Orafti-Produktion in Chile im Plan. Dies wird uns in die Lage versetzen, die weiterhin stark wachsende Nachfrage zu bedienen.
Die Bioethanol-Anlage in Zeitz wird im Frühjahr 2005 mit einer Kapazität von 260.000 m³ in Betrieb gehen. Der Markt für Energie aus nachwachsenden Rohstoffen wird in den nächsten Jahren deutlich wachsen. Die EU hat sich durch das Kyoto-Protokoll verpflichtet, die Emission von CO2 zu reduzieren. Zur Erfüllung dieser Verpflichtung hat sie das Ziel, den Anteil von Biokraftstoffen am Kraftstoffverbrauch bis zum Jahr 2010 auf 5,75 % zu steigern. Das entspricht einem EU-Marktvolumen für Bioethanol als Kraftstoffkomponente von 8 bis 10 Mio. m³.
AGRANA hat nach Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden am 3. Januar 2005 die Wink-Gruppe, Bingen, erworben. Wink ist mit einem Umsatz von rd. 44 Mio. EUR und 200 Mitarbeitern einer der großen Produzenten von Fruchtsaftkonzentraten in Europa. Von den vier Produktionsstätten liegen zwei in Ungarn und jeweils eine in Polen und Rumänien. Der Stammsitz mit Verwaltung und zentralem Logistikbereich befindet sich in Bingen. Nach der im Vorjahr erfolgten Übernahme der Vallo Saft, Dänemark, wird mit diesem Erwerb die europäische Marktführerschaft bei Fruchtsaftkonzentraten erlangt.
Die jüngsten Übernahmen im europäischen Pizza- und Baguettegeschäft verdeutlichen die Attraktivität dieses Marktsegments. Diese Transaktionen sind auf den Markenbereich fokussiert. Freiberger bleibt mit seinem auf Handelsmarken ausgerichteten Geschäft in einer hiervon unbeeinflusst führenden europäischen Marktposition.
Nachdem wir bereits vor 2 Jahren von den ursprünglich 25 % Anteilen an der KWS Saat AG 15 % verkauft hatten, wurden im Dezember 2004 die restlichen 10 % Anteile im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens vornehmlich an institutionelle Investoren veräußert. Mit dem Verkauf fokussiert sich Südzucker weiter auf Beteiligungen, die eine unternehmerische Einflussnahme bieten. Dieser hätte das Kartellamt unverändert nicht zugestimmt. Die traditionell gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit von KWS und Südzucker bleibt von dem Aktienverkauf unberührt.
Umsatzentwicklung
Der Konzernumsatz stieg in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2004/05 um 137 Mio. EUR bzw. 4,0 %, auf 3.608 (3.471) Mio. EUR.
Im Segment Zucker erhöhte sich der Umsatz um 32 Mio. EUR auf 2.612 (2.580) Mio. EUR. Dabei war ein Umsatzrückgang im westeuropäischen Zuckergeschäft um 68 Mio. EUR auf die geringe Zuckererzeugung der Kampagne 2003 zurückzuführen, womit weniger Zucker für den Export zur Verfügung stand. Ein anderes Bild zeigte sich in unseren osteuropäischen Zuckergesellschaften, in denen der zum 1. Mai 2004 erfolgte EU-Beitritt den erwarteten deutlichen Umsatzanstieg bewirkt hat. Der Umsatzrückgang im westeuropäischen Zuckerbereich konnte so durch Umsatzzuwächse von 100 Mio. EUR mehr als ausgeglichen werden.
Der ausgewiesene Umsatzanstieg unseres Segments Spezialitäten um 11,8 % auf 996 (891) Mio. EUR wurde auch durch zwei gegenläufige Sondereffekte beeinflusst: Zum einen war Freiberger aufgrund der Angleichung des Geschäftsjahres in den Vorjahreszahlen mit 11 statt nun 9 Monaten enthalten. Zum anderen haben die im laufenden Jahr erstmals vollkonsolidierten Gesellschaften Steirerobst im Fruchtbereich und Stateside im Pizzabereich den Umsatz positiv beeinflusst.
Operatives Ergebnis
Das operative Ergebnis konnte in den ersten neun Monaten um 10,6 % auf 408 (369) Mio. EUR gesteigert werden; die operative Marge erhöhte sich auf 11,3 (10,6) %.
Im Segment Zucker ist der Ergebniszuwachs um 11,9 % auf 288 (258) Mio. EUR geprägt vom EU-Beitritt der osteuropäischen Zuckergesellschaften. In Westeuropa belasteten die geringeren Exporte und schlechtere Konditionen bei den Exporterstattungen die Ergebnisentwicklung.
Im Segment Spezialitäten konnten bei einem Zuwachs des operativen Ergebnis um 7,5 % auf 120 (111) Mio. EUR eine das Zuckersegment übersteigende operative Marge von 12,0 % erreicht werden. Angeführt wird diese Entwicklung vom unvermindert stark wachsenden Functional-Food-Bereich aber auch dem Stärkegeschäft, das von rückläufigen Maispreisen profitiert.
Ausblick
Die operative Ergebnissteigerung um insgesamt 10,6 % in den ersten neun Monaten war im Segment Zucker geprägt vom Beitritt der osteuropäischen Länder in die EU. Dem stehen Belastungen aus Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten, insbesondere bei Öl, Kohle und Koks sowie dem schwachen US-Dollar, der unsere Zuckerexporterlöse bestimmt, gegenüber.
Im Segment Spezialitäten zeichnet sich eine Fortsetzung des Wachstumstrends bei Functional Food und Stärke ab. Zusammen mit den positiven Effekten aus den Erstkonsolidierungen von Steirerobst und Stateside rechnen wir mit einer zweistelligen Steigerung von Umsatz und operativem Ergebnis. Der Umsatz- und Ergebniszuwachs aus unseren Investitionen in den Bereichen Functional Food, Bioethanol sowie Frucht wird sich im nächsten Geschäftsjahr noch intensiver fortsetzen.
Auf Ebene des Südzucker-Konzerns erwarten wir für das Geschäftsjahr 2004/05 einen Umsatzanstieg von rd. 7 % und in vergleichbarem Umfang auch eine Steigerung des operativen Ergebnisses.
Mit freundlichen Grüßen
Südzucker Aktiengesellschaft
Mannheim/Ochsenfurt
Vorstand