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Die Industrialisierung und der Siegeszug der Zuckerrübe

1820er
Im Gegensatz zu Deutschland wird die Rübenzuckerproduktion in Frankreich weiterhin staatlich gefördert und so bleibt dieser Industriezweig dort bestehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bedeutende Innovationen, wie die Entwicklung der Saftgewinnung durch Mazeration von Mathieu de Dombasle, aus Frankreich stammen.
1829
In Kirchwiedern/Mähren gründet k.k. Oberleutnant Franz Grebner die erste österreichische Rübenzuckerfabrik nach Aufhebung der Kontinentalsperre. Sie wird später in das nahe gelegene Datschitz verlegt, wo ihr Direktor Jakob Christoph Rad den Würfelzucker erfinden wird.
1834
In Quedlinburg gründen die Brüder Louis und Carl Hanewald gemeinsam mit Conradin Friedrich Eduard Zier und Ernst Wilhelm Arnoldi eine Zuckerfabrik und vermarkten das dort angewendete Zuckergewinnungsverfahren. Damit wird die Gründung von mehr als 100 Rübenzuckerfabriken angeregt.
1837
Gründung der badischen Gesellschaft für Zuckerfabrikation in Waghäusel. Sebastian Schuzenbach entwickelt hier ein Verfahren, bei dem die Zuckerrüben vor der Zuckergewinnung durch Trocknen konserviert werden. Hierdurch kann ganzjährig Zucker produziert und eine bessere Ausnutzung der Fabrikanlagen gewährleistet werden.
1847
Eilhard Mitscherlich entwickelt ein handliches Polarimeter, das anschließend in nahezu jeder Zuckerfabrik zur Zuckerbestimmung verwendet wird.
1848
Erster Einsatz eines Dampfkessels in der Zuckerindustrie
Ab ca. 1850
Der Konkurrenzkampf zwischen Rohr- und Rübenzucker führt zu einem drastischen Preisverfall. So wird Zucker für die breite Masse erschwinglich.
1850
Als Reaktion der Zuckerfabrikanten auf die bereits 1841 eingeführte Rübensteuer wird in Magdeburg der Verein für die Rübenzuckerindustrie im Zollverein gegründet. Es handelt sich hierbei um den ersten deutschen Industrieverband.
1851
Erstmalig erscheint die Zeitschrift des Vereins für die Rübenzuckerindustrie im Zollverein. Diese und folgende zuckerbezogene Zeitschriften treiben die technischen Fortschritte enorm an, da hier namhafte Chemiker, Techniker und Unternehmer zu Wort kommen, bisherige Erfahrungen diskutiert und weitere Forschungen angeregt werden.
1865
Julius Robert entwickelt die Diffusionsverfahren zur Saftgewinnung und schafft damit die maßgebliche Voraussetzung der Entwicklung der Zuckerfabriken zu Großbetrieben.
1867
In Berlin wird das Forschungsinstitut für die Zuckerindustrie gegründet.
Um 1880
40 % des europäischen Rübenzuckers werden im Kaiserreich produziert, damit ist der Zucker das Hauptexportprodukt des Reiches.
1885
Gründung der Zucker-Berufsgenossenschaft.
1891
Gründung des Vereins der Rohzuckerfabriken im Deutschen Reich.
1897
Zusammenschluss der gesamten deutschen Zuckerindustrie zum Verein der Deutschen Zuckerindustrie sowie Bildung des Syndikats der Rohzuckerfabriken. Ein Jahr später folgt das Syndikat der Raffinerien.
Gründung der Internationalen Kommission für Einheitliche Methoden der Zuckeruntersuchung (ICUMSA) in Hamburg auf Anregung Alexander Herzfeldes.
1902
Abschluss der Brüsseler Zuckerkonvention. Erst dieses internationale Handelsabkommen, unterzeichnet von den wichtigsten Rüben- und Rohrzuckerproduzenten, beendet den ruinösen Prämienwettlauf und garantiert den Zuckerproduzenten ihren nationalen Markt. Kartelle und Exportprämien werden abgeschafft.
1914-18
Erster Weltkrieg: Die ab 1915 staatlich gelenkte Kriegswirtschaft schränkt den Rübenanbau, insbesondere zugunsten des Anbaus von Brotgetreide, stark ein. Arbeitermangel, Preissteigerungen für Hilfsstoffe, die schlechte Bezahlung der Rüben und ein niedriger Zuckerpreis lassen den Rübenanbau in Deutschland um über 25 % zurückgehen. Zum Ende des Krieges wird in Europa noch ein Drittel der Vorkriegsmenge an Zucker gewonnen.
1920
Die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation in Waghäusel und die Zuckerfabrik Frankenthal schließen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Kurz darauf schließen sich auch die Zuckerfabriken Heilbronn, Stuttgart und Offstein mit ihren Betrieben an.
1926
Gründung der Süddeutschen Zucker-Aktiengesellschaft mit Sitz in Mannheim durch die Zuckerunternehmen der Interessengemeinschaft.