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Die Entdeckung der Zuckerrübe – eine Revolution in der europäischen Zuckerproduktion

Der enorme Zuckerpreisanstieg, verursacht durch das Erliegen der Rohrzuckerproduktion auf San Domingo, dem weltweit größten Zuckerproduzenten Ende des 18. Jahrhunderts sowie die napoleonische Kontinentalsperre, durch die das europäische Festland vom englischen Rohrzuckerhandel abgeschnitten wurde, führten dazu, dass in ganz Europa zunehmend nach Zuckersurrogaten aus einheimischen Pflanzen gesucht wurde.
Für Versuche wurden verschiedene Pflanzen herangezogen, unter anderem Weintrauben, Mais, Ahorn und Esskastanien. Schließlich gelang es dem preußischen Chemiker Andreas Sigismund Marggraf, den im Zuckerrohr vorkommenden Zucker auch in der Rübe nachzuweisen – und damit begann eine spannende Erfolgsgeschichte.
1747
Andreas Sigismund Marggraf entdeckt, dass die Runkelrübe den gleichen Zucker enthält wie das Zuckerrohr. In den folgenden Jahren veröffentlicht er seine Forschungsergebnisse und wird zum Leiter des Chemischen Laboratoriums ernannt, später sogar zum Direktor der Physikalischen Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.
1761
Nach weiteren Versuchen legt Marggraf dem preußischen König selbst produzierten Zucker aus Rüben vor.
1799
Franz Carl Achard, ein Schüler Marggrafs, setzt die Arbeiten seines Lehrers mit Zuckerrüben fort und bemüht sich weiter um die praktische Umsetzung. Auch er legt dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. Zuckerproben vor. Der Monarch fördert die Forschungen Achards im größeren Stil.
1800
Die Schlesische Gebirgsraffinerie in Hirschberg verarbeitet erstmals Runkelrüben und liefert so unabhängig von Achard den Beweis der Raffinierbarkeit von Rübenzucker.
1801
Achard lässt in Cunern/Schlesien die erste Rübenzuckerfabrik der Welt errichten und veröffentlicht in der Folgezeit mehrere Schriften zur Zuckerfabrikation aus Runkelrüben, die sich in ganz Europa verbreiten. Neben den produktionstechnischen Aspekten beschäftigt sich Achard auch mit der Rübenzucht. Alle heute bekannten Zuckerrübensorten gehen ursprünglich auf die Züchtungen des Forschers zurück.
1805/06
Freiherr Moritz von Koppy errichtet auf seinem Gut im schlesischen Krayn eine Rübenzuckerfabrik. Dabei wird er technisch und wissenschaftlich von Achard unterstützt. Durch ihre Zusammenarbeit und Koppys Idee, auch die „Abfallprodukte“ der Zuckerproduktion zu verwerten, entwickelt sich diese Fabrik zur ersten, die Gewinne erwirtschaften kann. 1811 wird die Produktionsstätte durch ein Feuer zerstört und erst drei Jahre später kann Koppys Sohn die Zuckererzeugung in Krayn wieder aufnehmen.
1806-1813
Durch die napoleonische Kontinentalsperre kommt es zur Abschottung weiter Teile Kontinentaleuropas vom englischen Kolonialwarenhandel. Dies gibt der Rübenzuckergewinnung großen Aufwind und es entstehen zahlreiche Rübenzuckerfabriken. Durch Napoleons rübenzuckerfreundliche Gesetzgebung wird diese Entwicklung zusätzlich befördert und es findet ein reger Austausch zwischen Achard und vielen Unternehmern aus ganz Europa statt.
1818/19
Nach der Aufhebung der Kontinentalsperre blüht der Rohrzuckerhandel wieder auf und die Zuckerpreise fallen auf etwa ein Drittel der Preise. Nach und nach stellen die unrentabel gewordenen deutschen Rübenzuckerfabriken ihren Betrieb wieder ein.
Nach der Kampagne 1821/22
Als letzter deutscher Rübenzuckerfabrikant stellt Georg Friedrich Wilhelm von Koppy den Betrieb seiner vom Vater ererbten Fabrik in Krayn ein und widmet sich der Rübensamenzucht. Die vor allem in Frankreich und Belgien beliebte Rübensorte Betterave de Koppy oder Betterave de Silésie entstammt seiner Zucht.