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Standort Mannheim

Die Geschichte der Familie Lenel

Im Jahr 1910 wurde auf dem Grundstück Maximilianstraße 10 das Anwesen von Richard Lenel errichtet. Geboren 1869 in Mannheim als Sohn des Fabrikanten Viktor Lenel, übernahm er 1897 nach einer Lehre und mehreren Auslandsreisen die Geschäftsführung des Familienunternehmens „Lenel, Bensinger & Co.“ Die von Viktor Lenel, dessen Bruder Alfred, dem Kaufmann Friedrich Bensinger und dem Bankhaus Hohenemser & Söhne gegründete Firma „Rheinische Gummi- und Celluloidfabrik“ entwickelte sich mit 6.000 Mitarbeitern bis zum Ersten Weltkrieg zum bedeutendsten Unternehmen seiner Art auf der Welt und stellte unter anderem aus Zelluloid die berühmten Puppen und Tischtennisbälle der Marke Schildkröt her.
1920 wurde Richard Lenel - wie bereits sein Vater und Großvater vor ihm - zum Präsidenten der Mannheimer Handelskammer gewählt. 13 Jahre später zwangen ihn die Nationalsozialisten, dieses Amt niederzulegen, obwohl Lenel bereits 1902 mit seiner Familie aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten war. Mit seiner Frau und den beiden ältesten Söhnen versuchte er, das Familienunternehmen und das damit verbundene Vermögen zu erhalten. Erst nachdem seine Söhne in der Reichspogromnacht 1938 in das Konzentrationslager nach Dachau verschleppt wurden, beschloss die Familie, das Land in Richtung England und später den USA zu verlassen. Richard Lenel musste sein Hab und Gut - darunter das Anwesen, die Firma sowie Barvermögen - aufgeben. Die Villa Lenel wurde in den Nachkriegsjahren von der US-amerikanischen Besatzung genutzt. Schließlich war sie aber durch die Zerstörungen im und nach dem Krieg unbewohnbar geworden und wurde mit dem Verkauf des Grundstücks durch die Firma Meckel GmbH an die Südzucker AG abgerissen.
1947 nahm das Ehepaar Lenel von Josef Braun, dem ersten Oberbürgermeister der Stadt Mannheim nach dem Zweiten Weltkrieg, die Einladung nach Deutschland zurückzukehren, an. Im Oktober 1949 wurden Richard Lenel das Ehrenbürgerrecht von Mannheim sowie der Titel des ersten Ehrenpräsidenten der Industrie- und Handelskammer verliehen. Nach seinem Tod im August 1950 wurde er im Familiengrab auf dem Jüdischen Friedhof in Mannheim beigesetzt.
Der Pfeiler aus Sandstein war Teil des Gartenzauns und blieb als einziges Originalbauteil des ehemaligen Anwesens der Familie Lenel bis heute erhalten. Er steht nun nahe seiner ursprünglichen Stelle auf dem Firmengelände der Südzucker AG.